Ein Dokumentarfilm

Wien ist Welthauptstadt. Des Hauswandrassismus. Die internationale Tourismusmetropole versinkt in rassistischen Beschmierungen: „Neger raus“. „Tötet N****“, „Asyl Drogen N****“, „Fuck N*****“. Und so weiter. Mit schwarzer Kreide, mit Filzstift, manchmal mit der Sprühdose. Vieltausendfach. „Schwere Unruhen und Blutvergießen“ gäbe es in den USA, wenn dort solche Parolen geschrieben würden, meinte die Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison bei einem Wienbesuch. Egal in welcher Stadt.

Wien ist anders. Während die Schneeräumung hier per Gesetz minutiös geregelt ist, und auch die Frage der Hundekotbeseitigung unter größter öffentlicher Anteilnahme erörtert wird, fühlt sich für die „N**** raus“-Parolen niemand zuständig. Anzeigen kann man sie nur wegen Sachbeschädigung, nicht wegen Verhetzung. Der Polizei fehlen angeblich die Ressourcen, um ernsthaft nach Tätern zu fahnden, und der Stadt Wien angeblich das Geld, um die Parolen zu entfernen.

Simon Inou, Journalist und Aktivist der Black Community, will das so nicht hinnehmen. Er macht sich selbst auf die Suche nach den Beschmierern, spricht mit Grafologen und Graffitiforschern, forscht in Archiven und denkt sogar an Überwachungskameras. Zusammen mit der Soziologin Beatrice Achaleke, unterstützt vom Hip Hop Musiker Topoke und anderen Mitgliedern der schwarzen Communities Wiens, entwirft er Strategien, die dem Alltagsrassismus in seiner Heimatstadt Paroli bieten können.

HERE TOSTAY! macht sich auf die Suche nach den Hetzern und findet sich plötzlich im österreichischen Parlament wieder. Und in der Geschäftszentrale des Handelshauses Julius Meinl, auf dem der legendäre Meinl-Mohr prangt wie eine Trophäe. Am Stephansplatz verteilt ein jüdisches Künstlerkollektiv Plakate an Touristen, wo sie auf die Parallele zwischen den „N**** raus“-Parolen und der „Juden raus“-Hetze aus dem Jahr 1938 hinweisen, während der Obmann einer Parlamentspartei verlangt, militärische Transportflugzeuge zu Abschub-Maschinen umzurüsten. Dort könnten abzuschiebende Asylwerber dann schreien und sich anurinieren, ohne andere Urlaubsreisende zu stören, wie das 1999 Marcus Omofuma getan hat. „Neger raus“, so wird’s gemacht. Auf Hauswände geschriebene Aufforderungen wie „N**** raus“ oder „Kill all N*****“ finden letztlich ihre Umsetzung in der österreichischen Asylpolitik.

HERE TOSTAY! ist eine Dokumentation ohne erhobenen Zeigefinger. Hier freuen sich alle über die schwarze Faust, die das neue Logo für Julius Meinl bestimmt. Es istein Film, der mit gängigen Klischees über schwarze Menschen in Wien bricht. Ohne hilflose Opfer, ohne Drogenmafia, ohne Showbiz-Superstars. Der Film zeigt bemerkenswerte Menschen mit afrikanischen Wurzeln, die Österreich als ihre neue Heimat sehen. Sie sind HERE TO STAY. Anfeindungen, Alltagsrassismem und „N**** raus“-Beschmierungen beantworten sie mit eigenen Initiativen, selbstbewusst und zuweilen mit überraschenden Mitteln. Sie wollen kein Mitleid, keine Almosen, sondern Fairness und Respekt – und ein Ende des Wiener Hauswandrassismus.

Mit Beatrice Achaleke, Patrick Bongola, Simon Inou, Abdallah Salisu u.v.m.
Buch, Regie, Produktion: Markus Wailand / pooldoksFilmproduktion
Infos: www.heretostay.at, www.meinjulius.at, www.pooldoks.com